Auf MTF war kürzlich ein wie ich finde sehr schöner Artikel über Tommy gepostet, den ich aus dem Englischen übersetzt habe:
Tommy Robredo öffnet sich – und kommt voll zur Geltung
Der Titelverteidiger von Hamburg spricht darüber, zu lernen sich im Rampenlicht wohl zu fühlen und schlüsselt die Schinderei und den Glamour der Profitour auf
von: Sebastián Fest
Schnell – wer ist der unauffälligste Spieler der Top Ten? Sicher, Nikolay Davydenko, ohne Zweifel – er ist der wahrscheinlich unbekannteste Top 3 Spieler in der Tennisgeschichte. Aber Platz zwei geht sicher an Tommy Robredo.
Die Nummer sieben der Welt ist talentiert, technisch gut und mit einem Aussehen, das „Hilfiger“ als besseren Nachnamen statt Robredo rechtfertigen würde. Und trotzdem ist er kein großer Star. Das will er auch gar nicht sein. „Ich bin ein sehr besonnener Mensch“, sagte er in einem spanischen Interview. „Es ist mir egal, wie viel man über mich redet. Das ist eine Angelegenheit für die Presse. Bis vor einem Jahr wollte ich auch gar nicht so viel über die Medienwelt wissen. Ich wusste zwar, man muss es tun, aber ich mochte es nicht. Ich bin schüchtern. Ich mag es nicht, vor einer Kamera zu sein. Was ich mag und was ich kann, ist Tennis spielen. Die anderen Dinge gehören zu einer Welt, von der ich nicht wusste, wie ich mit ihr umgehen soll.“
In der letzten Saison ein Teil der elitären Acht, die beim Masters Cup antreten, zu sein, änderte seine Perspektive ein bisschen. „Ich war in Shanghai und ich habe dort Fans getroffen, die mir Geschenke gaben, Fotos oder ein Lächeln wollten“, sagte er. „Da merkt man dann, dass es vielleicht doch die Sache wert ist, mehr Zeit mit der Presse zu verbringen, meine neue Website zu gestalten, sodass meine Fans glücklich sind.“
Robredo ist weitsichtig und versteht, dass der Lebensstil eines Profispielers ein bisschen unwirklich und für Außenstehende nicht leicht zu verstehen ist: „Die Leute sagen zu dir ‚Was hast du doch für ein tolles Leben! Du reist überall in der Welt herum!’“, sagte er. „’Ist doch schön, soviel in der Welt herumzukommen.’ Ja, es ist schön, so viel zu reisen, wenn man im Urlaub ist und diesen mit drei Freunden genießt. Aber wenn man in ein Hotel muss, am nächsten Morgen zum Training und am Abend um neun im Bett sein muss, und am nächsten Tag die gleiche Chose – es ist eben kein Urlaub.“
Dennoch erkennt er an, dass es in seinem Job auch Vergünstigungen gibt. Mag er die glamourösen – oder sollen wir ‚Sonyericsonischen’ sagen? – Elemente, die der Job mit sich bringt? „Okay, logisch, ich bin 24, ich bin jung, wir sind jung. Gott sei Dank, wir spielen in einem gut bezahlten Sport. Und was macht ein 24-Jähriger? Wird er sich ein normales Auto kaufen? Nein, wenn man ein paar extra Dollar hat, wird man sich das Auto kaufen, das einem gefällt.“
Doch es sind keine Autos, die er in seiner Freizeit gerne fährt. Eine seiner größten Leidenschaften ist es, mit einem Quad-Bike in die Berge zu fahren und dort total abzuschalten. „Ich liebe es, ich mag die Natur, die frische Luft, die Sonne“, sagte er. Und dann gibt es da etwas, dass die Turnierdirektoren ein wenig finster blicken lässt: er macht auch Sprünge mit seinem Quad-Bike. Hat er keine Angst davor, sich zu verletzen? „Könnte sein, aber mich bezahlt kein Club. Ich kriege mein Geld ausschließlich von Tommy Robredo“, antwortete er. „Also mache ich, was ich will. Ich versuche zwar, vorsichtig zu sein, aber wenn ich das Motorrad nehme und damit in die Berge fahre, kann ich alles hinter mir lassen. Mein Kopf klärt sich, wird frei. Eine Woche etwa, und ich bin wieder bereit zu spielen.“
Während er zurückhaltend im Umgang mit der Presse ist, sagt er, dass er doch aktiver ist, was die soziale Ebene angeht. Er ist momentan Single – seine bestbekannte Beziehung war mit der WTA Spielerin Gisela Dulko, die inzwischen mit Fernando Gonzalez zusammen ist. „Wegen einer Freundin … Jeder nimmt sich, was er will, und wenn es ein gut aussehendes Mädchen gibt, die man mag und die einen ebenfalls mag, dann nimmt man sie sich!“ sagte er. „Vielleicht denken andere, dass sie nicht so hübsch ist, aber für einen selbst ist sie schön … Am Ende ist es doch egal, ob hübsch, hässlich oder durchschnittlich – es ist die jenige, die man mag.“
Robredo wich auch nicht davor zurück, in der Politik des Sports aktiv zu sein. Er war einer von 65 Spielern, die einen Beschwerdebrief an ATP Chef Etienne de Villiers und dessen Pläne zur Tour unterzeichneten. Während einige Spieler ihrem Unmut in den letzten Monaten öffentlich Luft gemacht haben, war Robredos vernichtende Kritik an den Leadern des Sports mit die harscheste, sehr zum Verdruss der Offiziellen der ATP.
Dennoch sollte man ihn nicht als „taliban“ – ein spanischer Ausdruck für unnachgiebig und unflexibel – bezeichnen. Er mildert seine Worte wenn er die Angelegenheit aus einem breiteren Blickfeld betrachtet. „Ich kann nicht sagen, dass de Villiers einen Fehler macht, es hängt immer davon ab, wie man die Sache ansieht“, erklärte er. „Es ist zwar schlecht für die spanischen und lateinamerikanischen Spieler, aber er kommt aus einer Geschäftswelt, er wird schon wissen, was das Tennis braucht, um weiter zu wachsen.“
Aber er sorgt sich auch nicht, dass die ATP nicht länger nur eine strikte Spielergewerkschaft ist. Das Gremium setzt sich aus je drei repräsentativen Spielern und Turnierbossen, sowie dem Vorstandsprecher zusammen.
„Tennis besteht aus Spielern und Turnieren, nicht nur Spielern“, betont Robredo. „Man stelle sich vor, wir würden die ATP kontrollieren – wir würden 24 Stunden geöffnete Sushi Bars für umsonst, Hummer und acht Masseusen, die auf uns warten, haben wollen … Fordern ist leicht, wir würden uns selbst keine Grenzen setzen. Jeder würde einen Aston Martin fahren wollen. Man braucht immer eine gewisse Balance, und ich denke, dass es zur Zeit eine solche Balance in der ATP gibt, aber nicht jeder wird jede Entscheidung immer mögen.“
Original-Artikel hier
Freitag, 18. Mai 2007
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